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Der dicke Frosch

Eine Geschichte

für Menschen

von Heinz Schäpers

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Es war einmal ein Frosch, der quakte immer so laut, daß alle anderen Frösche dachten, er blase auf einer Posaune. Aber der Frosch hatte keine Posaune, er war nur ein besonderer Frosch; denn er war zweimal so groß wie die anderen Frösche. Außerdem hatte der Frosch ein ganz großes Maul, mit dem er Fliegen, Käfer und Mücken fangen konnte, die zweimal so groß waren wie die Fliegen, Käfer und Mücken, welche die anderen Frösche fingen. Weil er aber immer so dicke Fliegen, Käfer und Mücken fing, bekam er auch einen dicken Bauch. Nun quakte und quakte der dicke Frosch, weil er dachte, daß sein Bauch dadurch dünner werde. Aber es half nichts. Je mehr dicke Fliegen, Käfer und Mücken der dicke Frosch mit dem großen Maul fraß, desto dicker wurde sein Bauch.


Nun hatte der dicke Frosch mit dem großen Maul aber noch eine Angewohnheit. Immer wenn die Sonne sehr warm schien und alle Tiere sich im Schatten der Sträucher verkrochen hatten, kletterte der Frosch mit dem großen Maul und dem dicken Bauch auf einen hohen Baum und quakte aus Leibeskräften. Wenn die Sonne wieder schlafen ging, kletterte der Frosch vom Baum herab, kroch in das hohe Gras und machte seine großen Kulleraugen zu.


Nun ist es ja so, daß alle Frösche, wenn die Sonne untergeht, anfangen zu gurgeln und zu quaken. Das klingt dann sehr lustig und fidel, wie ein richtiges Quakkonzert. Jetzt machten alle Frösche an dem Teich, wo der dicke Frosch wohnt, jeden Abend solch einen Krach, daß der Frosch dann

immer wegsprang.


Eines Abends war der dicke Frosch so weit gesprungen, daß er schon das Dorf mit seinem großen Kirchturm und dem großen Kirchplatz sehen konnte. Auf dem großen Platz vor der Kirche spielte eine Blaskapelle. Diese spielte so laut und schön, daß unserem Frosch mit dem dicken Bauch und dem großen Maul das kalte Froschherz auf einmal ganz warm wurde und er schnell auf einen hohen Baum kletterte und voller Begeisterung anfing zu quaken.


Nun konnte der Frosch ja so laut quaken wie eine Posaune, aber nicht so schön. Das ganze Blasorchester auf dem großen Platz vor der Kirche hörte auf einmal, daß da jemand verkehrt Posaune blies und alle Blasorchesterbläser spielten auf einmal durcheinander und völlig verkehrt. Die dicke Tuba brummte nicht mehr ganz tief, sondern ganz hoch und schrill. Die Trompeten nicht mehr hoch, sondern tief wie die Tuba. Alle Blasinstrumente kreischten und brummten wie ein ganzer Stall voller Äffchen. Das machte aber dem dicken Frosch auf dem hohen Baum solch einen Spaß, denn soviel schönen Krach hatte er noch nicht gehört, daß er sich bald vor Freude überschlug und nicht mehr aufhören wollte zu quaken.


Das war aber jetzt dem Oberblasorchesterbläser zuviel Krach geworden, und er steckte schnell in jede Trompete, Posaune Klarinette und Tuba einen großen Hut, und jetzt war auf einmal alles still.


Nur eine Posaune wollte und wollte nicht aufhören. "Einen Hut, einen Hut", schrie der Oberblasorchesterbläser, "schnell einen Hut in die Posaune!" "In welche Posaune denn", riefen alle Blasorchesterbläser, "wir haben ja gar keine Posaune mehr, in jeder Posaune steckt ja schon ein Hut!"


Alle Blasorchesterbläser schauten sich groß an. Keiner blies mehr Posaune, und doch spielte eine Posaune. Das war aber komisch.


"Der große Baum da vorne spielt Posaune", schrie der Oberblasorchesterbläser, denn ein Oberblasorchesterbläser hört genau, woher die richtigen und die falschen Töne kommen. Alle Blasorchesterbläser lachten laut, denn daß ein Baum Posaune spielen sollte, kam ihnen doch ulkig vor.


Doch jetzt hörten sie auf einmal alle, daß der Baum Posaune blies, und alle riefen: "Baum, komm her und spiel mit uns!" weil sie noch nie mit einem Baum zusammengespielt hatten. Aber der Baum rührte sich nicht von der Stelle, dafür sprang oben aus dem Baum ein dicker Frosch mitten in die dicke Tuba, flutschte bis zum Mundstück, so heißt nämlich das Stück, wo hineingeblasen wird, der Tubaspieler machte "pfui", "bä", der Frosch sauste wieder bis zum dicken Ende der Tuba, weil es darin so glatt war und der Frosch so glitschig, hielt sich am oberen Rand der Tuba fest, guckte verdattert und sauste wieder vor Schreck zurück.


Der Tubabläser schüttete seine Tuba aus, um sich das Ding zu besehen, was da in seine Tuba gefallen war. "Das ist also die Posaune, ein Frosch, ein richtiger großer Frosch", sagten die Blasorchesterbläser staunend. Ja, dann laßt uns mal wieder Musik machen", sagte der Oberblasorchesterbläser, "und der Frosch spielt mit."


Ja, und dann ging es los. Jeder wollte dem Frosch zeigen, wie schön er spielen konnte. Es dauerte auch gar nicht lange, bis der Frosch merkte, daß es eine große Ehre für die Blasorchesterbläser war, mit ihm, dem großen, dicken Frosch zusammen zu spielen. Darüber war er so stolz, daß man sein Froschherz richtig schlagen sehen konnte.


Seine großen Kulleraugen glänzten, und leise fing er an mitzumusizieren. Bald wurde sein Gesang immer lauter, und der Oberblasorchesterbläser lächelte ihm zu. Noch zehn Musikstücke wurden dann gespielt, und einmal durfte der Frosch sogar ganz alleine ein Solo quaken. Dann packten alle ihre Instrumente ein. Der Frosch wurde in die Tuba gesteckt, denn in die Hosentasche paßte er nicht, so groß war er.


Als der Tubaspieler seine Tuba über die Schulter gehängt, seinen Hut aufgesetzt hatte und nach Hause ging, posaunte der Frosch immer noch lustig weiter; denn jetzt durfte er doch mit solch einem dicken, schönen, glänzenden Frosch spielen. Daß dieser Frosch eine Tuba war, konnte er ja nicht wissen, wo er doch immer nur den Froschteich im Wald gesehen hatte. Überall, wohin der Tubaspieler auf seinem Nachhauseweg ging, guckten die Leute mit großen Augen und offenem Mund und liefen hinter dem Tubaspieler her.


Eine Tuba, die von alleine spielt, die sich sogar wie eine Posaune anhört, ohne daß man hineinbläst und die auf dem Rücken getragen wird, hatte wirklich noch keiner gesehen und gehört. "Traaa, traaa, traaa, quaaa, quaaa, quaaa", so schmetterte es in einem fort.


Wenn man in einer Tuba sitzt und singt, dann ist das so richtig schön laut. Alle Menschen hüpften fröhlich hinterher und klatschten in die Hände. "Die erste Tuba der Weit, die von ganz alleine spielt", riefen die Leute, "und wie eine Posaune". Daß dieser Frosch in der Tuba saß und bei so viel schönem Krach lustig drauflos schmetterte, wußte nur der Tubaspieler, und der lächelte geheimnisvoll vor sich hin.


Vor seiner Haustür blieb der Tubaspieler stehen, drehte sich um und sagte: "Für heute ist Schluß, die Tuba ist müde, geht jetzt alle nach Hause", ging in sein Haus, brachte die Tuba in den Keller, wo er immer spielen übte, weil das ja in der Wohnung zu laut ist, haben die Leute gesagt.


Der Tubaspieler ging in seine Wohnung zum Schlafen, und jetzt war der Frosch ganz alleine mit der Tuba. Nun war es ganz still im Keller. Der Frosch hatte aber noch keine Lust schlafen zu gehen; denn er war zu aufgeregt nach all dem schönen Traaa und quaaa, und darum fing er wieder von vorne an!


Traaa, Traaa, Traaa schallte es durch den stillen Keller und Quaaa, Quaaa, Quaaa! lärmte es lustig und fidel, daß die Wände wackelten. Hui, ist das aber schön", dachte der Frosch und traraate und quaate so laut, daß bald alle Leute aus den Betten fielen.


"Das ist zu laut", rief der Tubaspieler, "das kann man doch nicht machen, mitten in der Nacht, und dann noch, wenn alle Leute schlafen". Er rannte in den Keller, faßte in die Tuba und nahm den Frosch heraus. "Das ist zu laut", sagte er und wackelte mit seinem Zeigefinger. "Nachts wird geschlafen und nicht Musik gemacht!"


Der Frosch wollte aber Musik machen und nicht schlafen, darum flutschte er dem Tubaspieler aus der Hand und wollte in die Tuba springen. Aber er sprang daneben und ausgerechnet in einen großen Eimer Erdbeermarmelade.


Der Tubaspieler wollte den Frosch wieder einfangen und stolperte dabei über einen leeren Marmeladeneimer, der auch sofort mit viel Gepolter umfiel. Jetzt schimpfte der Tubaspieler sehr, weil er jetzt ja selber Krach gemacht hatte.


Er suchte noch ein bißchen im Keller, dann sah er den Frosch, der nur mit seinem Maul und seinen großen Augen aus der Marmelade herausguckte. Das sah so ulkig aus, daß der Tubaspieler laut lachen mußte. "Jetzt bist du aber ein süßer Frosch", sagte er, damit hatte er ja auch recht. "Jetzt kannst du aber in der Tuba nicht mehr schlafen, ich setze dich nach draußen auf den Hof, und Morgen gehen wir wieder musizieren auf dem Kirchplatz!"


Als der Frosch jetzt mitten in der Nacht ganz alleine auf dem Hof saß, fing er an zu grübeln und gurgelte leise vor sich hin. Da sah er auf einmal vor sich ein paar leuchtende Augen. Daß es eine Katze war, bei der die Augen im Dunkeln fast immer leuchten, wußte er nicht.


Die Katze ging immer um ihn herum und beleckte ihn schließlich. Da wurden die Froschkulleraugen aber ganz groß, denn b e l e c k t hatte ihn noch niemand. Hei, wie der Katze die Erdbeermarmelade schmeckte. Sie leckte dem Frosch den Rücken blitzblank, sie leckte ihm über den Kopf und wollte gerade unter seinen Armen die Marmelade wegschlecken.


Die ganze Zeit hatte der Frosch vor Angst ganz still gesessen und sich nicht bewegt. Aber als die Katze mit ihrer Zunge unter seine Arme kam, die einzige Stelle, an der er kitzelig war, da sprang er in großen Sätzen weg. Nur schnell weg von hier, nur schnell weg gehüpft, dachte der dicke Frosch voller Angst, und er hüpfte und sprang und purzelte durch die Wiesen bis in den Wald. Dort schlief er sofort ein, so müde war er geworden von dem vielen Hüpfen.


Als die Sonne am nächsten Morgen kam, wurde der Frosch wach und guckte sich staunend um. Langsam sprang er weiter in den Wald und sah auf einmal einen Teich. Ach, das ist doch mein Teich, natürlich, meine Wohnung, dachte der Frosch! Den ganzen Tag hat er gegrübelt, ob er vielleicht alles nur geträumt habe. Als dann der Abend kam, die Sonne schlafen ging, die Frösche in dem großen Teich anfingen zu gurgeln und zu quaken, da sprang der Frosch mit dem großen Maul nicht mehr weg, sondern er blieb ganz erstaunt am Teich sitzen, als wenn er zum erstenmal ein Quakkonzert höre, und er bekam solch eine Lust mitzumusizieren, daß er sich nicht mehr beherrschen konnte und aus Leibeskräften mitquakte.


Ach, ist das schön, dachte der Frosch, ein richtiges Quakkonzert. Und weil er so schön laut quaken konnte und der größte Frosch im Teich war, ist er dann auch der König geworden, und der kann ja ruhig einen dicken Bauch haben.